Praxis, Organisation und Risikominimierung im Winterdienst

Professioneller Winterdienst in der Praxis: Organisation, Kontrolle und Absicherung

Wie setze ich Winterdienst richtig, sicher und wirtschaftlich um?“

  • Definition Schnee und Eis
  • Klimatische Rahmenbedingungen
  • Klimastatistik Wien
  • Wetterbeobachtung und Tauwetterkontrolle
  • Präventiver Winterdienst
  • Organisation des Winterdienstes
  • Einsatzintervalle und Terminräumung
  • Dokumentation und Nachweisführung
  • Subunternehmer
  • Versicherung und Schadensabwicklung
  • Typische Fehler
  • Zusammenfassung und Best Practices
Professioneller Winterdienst in der Praxis Organisation, Kontrolle und Absicherung

Definition Schnee – Eis

Schnee entsteht, wenn sich Wasserdampf in der Atmosphäre bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu Eiskristallen verbindet. Diese Eiskristalle lagern sich zu Schneeflocken zusammen und fallen auf die Erdoberfläche. Schnee kann je nach Temperatur, Feuchtigkeit und Wind sehr unterschiedliche Konsistenzen aufweisen – von trockenem Pulverschnee bis hin zu nassem, schwerem Schnee.

Eis entsteht, wenn Wasser bei Temperaturen unter 0 °C gefriert. Im Winterdienst ist insbesondere das sogenannte Glatteis relevant, das sich durch gefrierenden Regen, durch Schmelzwasser, das erneut gefriert, oder durch Tauwasser bildet. Besonders gefährlich ist Blitzeis, das sich schlagartig bei plötzlich sinkenden Temperaturen bildet und oft kaum sichtbar ist.

Klimatische Rahmenbedingungen

Für die Planung und Organisation des Winterdienstes sind klimatische Daten von zentraler Bedeutung. Sie geben Aufschluss über durchschnittliche Temperaturen, Schneefallmengen, Frosttage und Niederschlagsverteilungen und bilden die Grundlage für Einsatzintervalle, Personalplanung und Materialeinsatz.

Im städtischen Bereich, insbesondere in Ballungsräumen wie Wien, ist zusätzlich der sogenannte Wärmeinseleffekt zu berücksichtigen. Durch Bebauung, Verkehr und versiegelte Flächen liegen die Temperaturen häufig höher als im Umland. Dies kann dazu führen, dass Schnee schneller taut, sich jedoch bei Nacht erneut Glatteis bildet.

Schadensabwicklung Winterdienst

Klimastatistik Wien

Die klimatischen Verhältnisse in Wien sind durch ein gemäßigt kontinentales Klima geprägt. Die Winter sind im Vergleich zu alpinen Regionen relativ mild, jedoch treten regelmäßig Frostperioden und Schneefälle auf.

Typische klimatische Kennzahlen:

  • Durchschnittstemperaturen in den Wintermonaten häufig zwischen −5 °C und +5 °C
  • Mehrere Frosttage pro Jahr, insbesondere in den Monaten Dezember bis Februar
  • Wiederkehrende Tau- und Frostwechsel, die das Risiko von Glatteis erhöhen
  • Schneefälle meist in kürzeren, aber intensiven Phasen

Diese Bedingungen führen dazu, dass der Winterdienst weniger durch Dauerschneefall, sondern vielmehr durch häufige Glatteisbildung gefordert ist.

Bedeutung der Wetterbeobachtung

Eine kontinuierliche Wetterbeobachtung ist eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Winterdienst. Neben offiziellen Wetterdiensten spielen lokale Beobachtungen eine wichtige Rolle, da sich Wetterlagen kleinräumig stark unterscheiden können.

Wesentliche Faktoren sind:

  • Lufttemperatur und Bodentemperatur
  • Niederschlagsart und -intensität
  • Windverhältnisse
  • Feuchtigkeit und Tauwasserbildung

Auf Basis dieser Daten können vorbeugende Maßnahmen, der rechtzeitige Einsatz von Personal sowie die Wahl geeigneter Streumittel getroffen werden.

Tauwetterkontrolle

Unter Tauwetterkontrolle versteht man die Überwachung von Flächen nach einem Räum- oder Streueinsatz, insbesondere bei steigenden Temperaturen. Durch Tauwetter kann sich Schmelzwasser bilden, das bei erneutem Temperaturabfall gefriert und zu gefährlichem Glatteis führt.

Die Tauwetterkontrolle dient dazu, solche Gefahren frühzeitig zu erkennen und durch erneutes Streuen oder Räumen zu beseitigen. Sie ist insbesondere bei stark frequentierten Flächen von großer Bedeutung und wird zunehmend als vertragliche Leistung vereinbart.

Präventiver Winterdienst

Präventive Maßnahmen im Winterdienst zielen darauf ab, gefährliche Situationen bereits vor ihrem Entstehen zu vermeiden. Dazu zählen insbesondere:

  • rechtzeitiges Streuen bei angekündigtem Temperatursturz
  • Beobachtung kritischer Stellen wie Schattenbereiche, Brücken, Rampen und Stiegen
  • Einsatz geeigneter Streumittel unter Berücksichtigung der Winterdienstverordnung

Präventiver Winterdienst ist jedoch nur im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zulässig. Insbesondere ist die vorbeugende Verwendung bestimmter Auftaumittel untersagt, sofern keine ausdrückliche Ausnahme besteht.

Organisation des Winterdienstes

Die Organisation des Winterdienstes stellt hohe Anforderungen an Planung, Personal, Technik und Kommunikation. Ziel ist es, die gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen und gleichzeitig ein möglichst hohes Maß an Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Zu den organisatorischen Grundlagen zählen:

  • klare Zuständigkeiten und Vertretungsregelungen
  • Einsatz- und Bereitschaftspläne
  • ausreichende personelle Ressourcen
  • Verfügbarkeit von Geräten, Fahrzeugen und Streumitteln
  • klare Kommunikationswege zwischen Auftraggeber, Auftragnehmer und Einsatzpersonal

Eine funktionierende Organisation ist insbesondere bei kurzfristigen Wetteränderungen entscheidend, da Einsätze oft außerhalb regulärer Arbeitszeiten stattfinden.

Organisation der Aufträge im Winterdienst

Einsatzintervalle

Einsatzintervalle beschreiben die zeitlichen Abstände, in denen Räum- und Streuarbeiten durchgeführt werden. Sie sind abhängig von:

  • der Nutzung und Frequenz der zu betreuenden Flächen
  • den klimatischen Bedingungen
  • den vertraglichen Vereinbarungen
  • den gesetzlichen Vorgaben

Kurze Einsatzintervalle erhöhen die Verkehrssicherheit, führen jedoch zu einem erheblichen Mehraufwand an Personal und Kosten. Zu lange Intervalle bergen hingegen ein erhöhtes Haftungsrisiko, insbesondere bei stark frequentierten Bereichen.

Bei der Festlegung von Einsatzintervallen ist stets die Zumutbarkeit der Maßnahmen zu berücksichtigen. Bei anhaltendem Schneefall oder sich ständig erneuerndem Glatteis kann eine dauerhafte Sicherstellung nicht verlangt werden.

Terminräumung

Unter Terminräumung versteht man die Verpflichtung, zu einem bestimmten Zeitpunkt – häufig um 6.00 Uhr morgens – geräumte und gestreute Flächen bereitzustellen. Diese Form der Leistung wird vor allem bei Wohnanlagen, Geschäftshäusern und öffentlichen Einrichtungen verlangt.

Die Terminräumung setzt voraus, dass:

  • Personal rechtzeitig verfügbar ist
  • Wetterentwicklung und Niederschläge entsprechend prognostiziert werden
  • logistische Abläufe zuverlässig funktionieren

Unrealistisch festgelegte Terminräumungen können im Schadensfall zu erheblichen rechtlichen Problemen führen.

Dokumentation und Nachweisführung

Eine lückenlose Dokumentation ist ein zentrales Element des professionellen Winterdienstes. Sie dient als Nachweis der ordnungsgemäßen Leistungserbringung und gewinnt im Schadensfall besondere Bedeutung.

Zur Dokumentation gehören unter anderem:

  • Einsatzprotokolle mit Datum und Uhrzeit
  • Art und Umfang der durchgeführten Maßnahmen
  • verwendete Streumittel
  • Wetter- und Temperaturangaben
  • besondere Vorkommnisse

Moderne Winterdienstunternehmen setzen zunehmend auf digitale Dokumentationssysteme, die eine zeitnahe und manipulationssichere Erfassung ermöglichen.

Bedeutung der Dokumentation im Haftungsfall

Im Falle eines Schadensereignisses ist die Dokumentation oft das wichtigste Beweismittel. Fehlende oder unvollständige Aufzeichnungen können dazu führen, dass die ordnungsgemäße Erfüllung der Pflichten nicht nachgewiesen werden kann.

Gerichte orientieren sich bei der Beurteilung regelmäßig an folgenden Fragen:

  • Wurde der Winterdienst zum relevanten Zeitpunkt durchgeführt?
  • Waren die Maßnahmen den Witterungsverhältnissen angemessen?
  • Entsprachen die Einsätze den vertraglichen Vereinbarungen?

Eine sorgfältige Dokumentation kann daher maßgeblich dazu beitragen, Haftungsansprüche abzuwehren oder zu reduzieren.

Subunternehmer im Winterdienst

Werden Subunternehmer eingesetzt, bleibt der Hauptauftragnehmer grundsätzlich verantwortlich. Die Weitergabe von Leistungen entbindet nicht von der Pflicht zur Auswahl, Anleitung und Kontrolle.

Der Einsatz von Subunternehmern erfordert:

  • klare vertragliche Regelungen
  • Überprüfung der fachlichen Eignung
  • Kontrolle der Leistungserbringung
  • Weitergabe relevanter Informationen und Vorgaben

Ein Organisations- oder Überwachungsverschulden kann im Schadensfall zu einer Haftung des Hauptauftragnehmers führen.

Versicherung im Winterdienst

Der Abschluss geeigneter Versicherungen ist für Unternehmen im Winterdienst von zentraler Bedeutung. Aufgrund des hohen Haftungsrisikos ist eine ausreichend hohe Deckungssumme unerlässlich.

Typische Versicherungen im Winterdienst sind:

  • Betriebshaftpflichtversicherung
  • erweiterte Haftpflichtversicherungen für Personen- und Sachschäden
  • gegebenenfalls spezielle Zusatzdeckungen für Winterdienstleistungen

Der Versicherungsumfang muss den tatsächlich übernommenen Leistungen entsprechen. Eine Diskrepanz zwischen vertraglicher Haftungsübernahme und versichertem Risiko kann im Schadensfall zu erheblichen Problemen führen.

Deckungssummen und Risikoabschätzung

Die Höhe der Deckungssumme sollte sich an der Art der betreuten Objekte orientieren. Hochfrequentierte Flächen wie Geschäftsstraßen, Einkaufszentren oder öffentliche Einrichtungen erfordern höhere Deckungssummen als reine Wohnanlagen.

Eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung des Versicherungsschutzes ist empfehlenswert, insbesondere bei:

  • Erweiterung des Leistungsumfangs
  • Übernahme zusätzlicher Haftungen
  • Einsatz neuer Streumittel oder Techniken

Schadensabwicklung

Im Schadensfall ist ein strukturiertes Vorgehen entscheidend. Dazu gehört:

  • unverzügliche Meldung an den Versicherer
  • Sicherung von Beweisen (Fotos, Zeugenaussagen)
  • Bereitstellung der Einsatz- und Wetterdokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber und gegebenenfalls mit Behörden

Unkoordinierte Aussagen oder verspätete Meldungen können den Versicherungsschutz gefährden.

Schadensabwicklung Winterdienst

Rolle des Auftraggebers im Schadensfall

Auch der Auftraggeber bleibt häufig in das Verfahren eingebunden. Insbesondere bei Fragen des Auswahl- oder Überwachungsverschuldens kann eine Mithaftung nicht ausgeschlossen werden.

Eine klare vertragliche Regelung sowie eine transparente Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer tragen wesentlich zu einer reibungslosen Schadensabwicklung bei.

Typische Fehler im Winterdienst

Aus der Praxis lassen sich wiederkehrende Fehler identifizieren, die zu Haftungsfällen führen:

  • zu lange Einsatzintervalle
  • fehlende oder mangelhafte Dokumentation
  • unklare Zuständigkeiten
  • unrealistische Terminräumungen
  • unzureichende Wetterbeobachtung
  • nicht ausreichender Versicherungsschutz

Die Vermeidung dieser Fehler ist ein wesentlicher Bestandteil eines professionellen Winterdienstes.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Der Winterdienst ist eine komplexe Dienstleistung mit hohen rechtlichen, organisatorischen und haftungsrechtlichen Anforderungen. Eine klare Kenntnis der gesetzlichen Grundlagen, realistische vertragliche Vereinbarungen, eine professionelle Organisation sowie eine lückenlose Dokumentation sind unerlässlich.

Sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer tragen Verantwortung. Eine ausgewogene Verteilung von Pflichten und Risiken sowie die Einhaltung fachlicher Standards sind entscheidend, um Schäden zu vermeiden und Haftungsrisiken zu minimieren.

Quellen:

Bundesinnung der chemischen Gewerbe und Denkmal- Fassaden- und Gebäudereiniger [Hrsg.] Reinigungstechnik – Handbuch für Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung, 2. Auflage, Juni 2021, S. 501 – 519

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